Tag Archiv für Spießer

Der Spießbürger 2.0!

Wir leben schon in einer seltsamen Zeit. Egal wohin man blickt – wir sind umgeben von Social Networks, Blogs, Sharing-Portalen, RSS Feeds, Business-Communities und sonstigen Dingen, die sich nur Werbeagentur-Fuzzis merken können. Auf der anderen Seite: Tablet PCs (iPad, WePad, etc.), Smartphones, Notebook-Surfsticks, Datenflats und Download-rates. Good old Germany wird nicht nur zwangs-angliziert, sondern entwickelt sich auch in einem so rasantem Tempo weiter, dass viele Technologien bereits schon wieder veraltet sind, sobald sie das erste mal im Laden stehen. Alleine der Sprung von den bunten 1990s in das Post-Millenium-Jahrzehnt war gigantisch:

  • Matthäus, Völler, Klinsmann vs. Lahm, Schweini, Poldi
  • Game Boy vs. Xbox 360
  • DM vs. (T)Euro
  • Telefon mit Schnur und Wählscheibe (!) vs. Smartphone
  • Boygroups vs. Casting Shows (naja – keine wirkliche Verbesserung…)
  • “Der Preis ist heiß” vs. “Schlag den Raab”
  • “Baywatch” vs. “Bauer sucht Frau” (…so schlecht waren die 90s doch gar nicht!)
  • Super Mario vs. Mario Gomez
  • Baggy Pants (=Hose in den Kniekehlen) vs. back-to-normal
  • Nirvana vs. der Wendler
  • alte Rechtschreibung vs. neue Rechtschreibung
  • Blümchen vs. Daniela Katzenberger
  • Cooler Hasselhoff (Knight Rider, Baywatch,etc.) vs. besoffener Hasselhoff
  • “Bill Cosby Show” vs. “Two and a half man”

Und zu guter Letzt: Festnetz vs. Facebook. Wer frägt heute in einer Bar noch jemanden nach seiner FESTNETZNUMMER (!!!)? Heute heißt es nur: “Wie heißt du bei Facebook?”.
Viel hat sich getan in der Zwischenzeit. Das Internet hat uns eine Informations- als auch Kommuikationsrevolution gebracht, China schreitet mit einem Tempo dem Status einer “Supermacht” entgegen, dass dem Rest der Welt schon beim wahrgenommen “Fahrtwind” ganz gelb vor Augen wird. Die regierenden Parteien ziehen uns bezüglich gemachter und nicht-eingehaltener Wahlversprechen inzwischen schon so schnell über den Tisch, dass der brave Wähler die dabei entstehende Reibungshitze als wohlmeinende Nestwärme fehlinterpretiert und 12-Jährige jonglieren heutzutage mit einem technischen Know-how, dass einen Graben zwischen sie und ihren Eltern schlägt, der tiefer reicht als die geschmacklichen Untiefen der Techno-Bewegung in den 90ern.

Man frägt sich vor all diesen rasanten Entwicklungen: wo ist das konstante Element in dieser Gleichung voller Variablen? Hat sich außer der Arbeitseinstellung der Beamten denn sonst alles geändert? Was bildet den gesellschaftlichen Ankerpunkt in einer Zeit der Umwälzungen?

Tatsächlich gibt es eine Sache, die sich auch seit dem Jahrtausendwechsel nicht verändert hat und wahrscheinlich auch nie verändern wird! Sie sind hierzulande die Konstante in einer Zeit der Veränderungen. Jeder von uns kennt sie! Jeder sieht sie täglich, arbeitet eventuell sogar mit einem von Ihnen zusammen, hat einen in der Nachbarschaft oder erst gestern vor sich in der Supermarkt-Schlange! Meistens trifft man sie im Straßenverkehr an oder auf Campingplätzen in Italien (oder im Harz!), wo sie brav ihre schön polierten Gartenzwerge aus dem Heimischen Garten mitbringen, in einem ganz bestimmten Winkel aufstellen, während Herr Schmidt den Rasen auf die korrekte Länge von 7,24cm stutzt und Frau Schmidt kuckt, ob der Wackeldackel (= sein Wappentier) auf der Ruckablage des alten Mercedes E-Klasse auch noch korrekt neben der Klopapier-Rolle steht: der gute, alte deutsche Spießbürger.

Ihn konnte weder Facebook “weg-socialn”, noch die rot-grüne Regierung aus dem Land vertreiben. Er ist das Herpes der deutschen Gesellschaft. Er hat es geschafft, dem “deutschen” als Attribut im Ausland diesen Beigeschmack des “pedantischen” , “unlockeren”, “überpünktlichen” und “steifen” zu verschaffen. Und dank Tennissocken in Sandaletten, knallenger Badehose, Spießer-Hemd und hässlichem Strohhut bei 37 Grad im Schatten, führt er auf den Strandpromenaden der Mittelmeerländer auch alles ad absurdum, was Karl Lagerfeld, Michael Michalsky und Wolfgang Joop in harter Arbeit für den deutschen Mode-Ruf getan haben. Der ein oder andere Leser sollte hier nun mit einem Kopfnicken vor dem Bildschirm (…oder dem Smartphone, oder dem Tablet PC, etc.) sitzen. Für alle anderen, die immer noch nicht erkannt haben, um wen es geht, haben wir hier eine kleine Liste zusammengestellt, an was man den Spießbürger 2.0 erkennt:

  • Fahrstil: er würde NIE eine durchgezogene Linie überqueren (nicht einmal wenn sein Leben davon abhinge), fährt innerorts Strich 50 (eher noch 45) und außerorts kein Km/h schneller als 100 Km/h.
  • Auto-Ausstattung: wie bereits erwähnt, erkennt man den Spießbürger 2.0 am Wackeldackel auf der Ablage und der der obligatorischen Klopapier-Rolle daneben
  • Garten: Gartenzwerge, pedantisch gepflegter Rasen, sichtsichere Hecke zum Nachbarn –> sein Garten ist seine Festung!
  • Essensgewohnheiten: er bestellt sich grundsätzlich in einem Ristorante in Italien ein SCHNITZEL (!)
  • Trinkgewohnheiten: er trinkt grundsätzlich in einem Ristorante in Italien ein HELLES (!)
  • Kleidungsstil: besonders beliebt bei ihm ist Partnerlook im Urlaub! Am liebsten tragen Herr und Frau Schmidt dabei je ein gleichfarbiges T-Shirt mit peinlichem Aufdruck und ein scheußliches Kap
  • Kleidungsstil II: seine übergewichtige, sonnenscheue 16-järhige Tochter zwingt am liebsten die anderen ausländischen Touristen, bzw. Locals, mit ihren bauchfreien Tops zum Fremdschämen
  • Einkaufen: er besitzt jede Punkte -Sammelkarte die es gibt
  • TV: er LIEBT das Vorabend-Programm der öffentlich-rechtlichen Sender
  • Mitbürger mit Migrationshintergrund: er hasst grundsätzlich JEDEN Ausländer, weil uns die ja die Jobs wegnehmen! Früher hätte er sich schließlich mit seinem unterdurchschnittlichen Hauptschulabschluss die Jobs regelrecht aussuchen können!

Diese Liste bitte ausdrucken und zur Früherkennung eines solchen Exemplars bitte immer griffbereit haben! Sonst drohen: Kampf um das letzte im Aldi heruntergesetzte paar Tennissocken (von 1.39 € auf 1.29 €), langes Warten in der Supermarktschlange (bis Frau Schmidt ihre Bonus-Punkte-Karte gefunden hat) und Kampf um den letzten (hierfür zahlen sie gerne den vollen Preis!) Wackeldackel.

Aber mal kurz eingehakt: wo kann man diese Wackeldackel eigentlich kaufen?? Gibt es eine Wackeldackelproduktionsfabrik? Wem gehört die?
Hierfür kann es nur eine logische Antwort geben – und diese könnte gleichzeitig all unsere Probleme in diesem Land beheben! Der Spießbürger-König persönlich muss diese Fabrik betreiben! Gelingt es uns, diese aufzukaufen und zu schließen, würde ihr Wappentier  langsam aussterben und sie könnten sich in Zukunft nicht mehr gegenseitig erkennen!
Die Betreiber der Marmeladenkatze werden dazu in Kürze ein Spendenkonto einrichten. Lasst uns diese Wackeldackel-Fabrik kaufen und einstampfen! Tod dem Wackeldackel! Die letzten verbliebenen Spießbürger isolieren wir dann in Big Brother und dem Jungle-Camp. Spätestens dann sollte es mit unserem Land wieder aufwärts gehen. Naja – zumindest bis die Chinesen kommen. Mit kleinen schlitzäugigen Gartenzwergen im Gepäck…

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