Archiv für 16. Mai 2011

Bä(ee)rige Mundart

A gloane Gschichd

Der Föhn ist ein bayerisches Phänomen. Er ist ein Wüstenwind, der bei entsprechenden meteorologischen Voraussetzungen über die Alpen zu uns kommt wodurch im Alpenvorland warme, trockene Fallwinde entstehen. Dies kann manchem, sogar dem Boandlgrama und dem Woibadinga recht zusetzen. Es wird über Kopfweh,  Ohrensaußen, Schwindelgefühle und nervöse Reizzustände geklagt – alles Ausreden! Einem gesunden Bayern macht der Föhn nichts aus. Im Gegenteil! Kein lästiger Schnialreng. Das Wetter bleibt (meistens) schön, schöner jedenfalls, als es die schlauen Herren Meteorologen vorausgesagt haben. Freilich – früher haben die Schraazn bei Föhn vom Babba viel schneller eine Waadschn eingefangen als gewöhnlich und auch heute noch sind Ehezwiste bei Föhn häufiger. Kosenamen wie Mausal und Spozal verwandeln sich da schnell mal in Grandla und Zwiedawurzn. Auch mancher Autofahrer kurvt zuweilen wie ein bsuffans Wogscheidl durch den Verkehr. Blechschäden nehmen durch unnötiges hudln zu. Selbst der Stenz kommt manchmal mit der Ausrede daher: „Es war so ein narrischer Föhn!“ Aber „mildernde Umstände“ gibt es trotzdem nicht. Nein, nein – der Föhn ist schon recht und ihn für jedes Gfredd als Ausrede zu benutzen,

da kann ja jeder daher kommen…

Aus Liebe zur bayerischen Mundart entstand ein Buch, das die Aussprache und Klangeigenschaft des bayerischen Dialektes visualisiert und beinhaltet eine Sammlung narrisch guada Wörter, die sogar einen Bayern zum schmunzeln bringen. Experten und Mundartfreunde sprechen von einem Rückgang des Dialektes, da sich immer mehr hochdeutsche Wendungen und Vokabeln einschleichen und sogar einbürgern. Altbewährte bairische Ausdrücke verliehren sich immer mehr. Die regionalen Unterschiede der Landkreise und Gemeinden verschwinden unter dem Einfluss von Handel, Wandel, und Fremdenverkehr oder haben sich bereits verwischt. Viele junge Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, zieht es in die Großstädte um sich vortzubilden, oder bessere Jobangebote zufinden.

Mancher Dialekt geht dabei verlohren, da man in der heutigen Zeit gezwungen ist, durch die totale Vernetzung auf der ganzen Welt, sich gut verständigen zu können. Bayrisch ist eben nicht jedermanns Sache. Hierfür spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich selbst bin als Landei aufgewachsen, später jedoch zog es mich nach München, um mein Abitur nachzuholen und zu studieren. Nichts leichter als das, dachte ich, aber anfangs musste ich erst einmal Hochdeutsch sprechen lernen. Auch wenn München die Hauptstadt von Bayern ist… bayrisch versteht da so gut wie niemand. Während der vergangenen Jahre gab es hin und wieder einen bayrisch sprechenden Schul- bzw Studienkollegen, der meinte: „I red so wie mir der Mund gwachsn is!“ Diese Rechnung ging nicht immer auf, da ihn leider keiner so richtig verstanden hat und er teilweiße einen Dolmetscher brauchte für diejenigen, die der bayrischen Sprache nicht mächtig waren.

Wer kennt schon den Ausdruck Dandla. Mittlerweile beherrsche ich die Hochsprache genauso wie meine bayrische Muttersprache, und treffe immer mehr Menschen, die ein sauberes Hochdeutsch sprechen, die jedoch mit der Millebidschn aufgewachsen sind und auch dableckd wurden, weil das in Bayern eben dazugehört. Auch wenn oft vom Aussterben des Dialektes gesprochen wird. I werds nia valerna.

Dahoam is hoid einfach Dahoam.

 

Sammelsurium narrisch guada Wörter:

Schnialreng
Schnürchenregen

Als “Schnial” ist eine sehr dünne Schnur gemeint und wird deshalb imSprachgebrauch verwendet, da es in Bayern einen Landregen gibt, der aussieht, als würden dünne Fäden vom Himmel fallen. Dieser Regen kann mehrere Tage anhalten. Nicht nur der Bayer, sonder auch der Salzburger benuzt diesen Ausdruck, da besonders das Salzburger Land vom lästigen Schnürchenregen betroffen ist.

 

Waadschn
Watsche

Hierbei handelt es sich um die Ohrfeige, die sich der Lausbube von seinem Babba einfängt, wenn er etwas angestellt hat. Eine Vorwahrnung für die Waadschn ist der Satz: „Ezad wead nachad glei da Waadschnbam umfoin!“ (Jetzt wird dann gleich der Watschenbaum umfallen!). Was bedeutet: Du wirst dir gleich eine Ohrfeige einfangen!

 

Grandla / Zwiedawurzn
Grantler / Zuwiederwurzel

Übel, sehr schlecht gelaunter Mann – Frau. Das Granddln oder Zwidan ist beim Bayern keineswegs nur „Übellaunigkeit oder Unmut“, sondern vielmehr Strategie. Mit der vermeintlich muffigen Schweigsamkeit äußert er sein Befinden oder er benützt es als Schutzschild, um nicht viel reden zu müssen bzw. um seine wahren Gefühle zu verbergen. Man kann also seine Oide (Herzallerliebste) ogranddln und ozwidan (angranteln und anmotzen) und sie dabei doch sehr mögen. Als Eigenschaft verwendet man auch die Wörter grantig – zwieder. „Warum bist du denn heute so grandig – zwieda?“

 

Gfredd
Ärger

Ärger, Streit, Schwierigkeit, Plage, Not, Unannehmlichkeit, Verdruß, Widrigkeit. Dieses Wort findet für jede unangenehme Situation seine Verwendung. „Mid de Behörden is´s a ständigs Gfredd!“, „ I hob a soa Gfredd mit mei´m Schraazn.“

 

Schraazn
Kleines Kind

Wenn jemand von einem Schraazn spricht, meint man ein kleines Kind. Das kann liebevoll, aber auch abwerten gemeint sein. Oft wird auch ein schreiendes Kind als Schraazn bezeichnet.

 

Stenz
Frauenheld

In Oberbayern ist der Stenz eine Bezeichnung für eine besondere Spezies der Gattung Mann, der den biblischen Auftrag – „Seid fruchtbar und mehret euch“ – in all seiner Ernsthaftigkeit befolgt. So ist er kein primitiver Egomane, sondern ein Mann von Welt mit Eleganz und Stil, der auf seine charmante und einfühlsame Art die Frauen glücklich machen möchte – und zwar möglichst viele. Oftmals neigt er jedoch dazu seine Fähigkeiten diesbezüglich zu überschätzen. Sich als
„Weiberheld“ zu bezeichnen würde der bayrische Stenz natürlich rundweg ablehnen. Die wohl bekannteste Verkörperung des Stenzes stellt die münchner Fernsehsendung „Monaco Franze“ in „Der ewige Stenz“ dar. Der bereits verstorbene Schauspieler Helmut Fischer spielt in der Hauptrolle des Franz Münchinger. Ein 50-jähriger Lebemann, der seine Gattin Annette über alles liebt, jedoch großes Interesse am weiblichen Geschlecht hat und dies auch auslebt.

 

Woibadinga
Wolpertinger

Der Wolpertinger ist ein sehr schäues Tier, dass in den bayerischen Alpen lebt und sich nur mit seltensten Voraussetztungen fangen lässt. Man sagt, die Jagd muss immer nachts bei Vollmond sein und erfolgt mit einer Kerze aus Bienenwachs und einem leeren Kartoffelsack. Ein Wolpertinger kommt nur im Mondlicht aus seinem Bau. Nur 15 Tage vor einem zu erwartenden Gewitter mit Blitz und Donner kann der Jäger seines Erfolges sicher sein. Die  brennende Kerze wird vor den geöffneten Kartoffelsack gestellt. Angelockt durch den Lichtschein und den Duft von alten Kartoffeln schlupft der Wolpertinger in die Falle. Lebend zu Gesicht bekommt ihn ansonsten keiner. Er ist jedoch ausgestopf auf so manchen Fensterbänken bayerischer Wirtshäusern zu sehen, wo man sich die kuriosesten Geschichten erzählt. Der Schriftsteller und Jäger Ludwig Ganghofer bezeichnete diese Wesen oft als Hirschbockbirkfuchsauergams, da er eine Kreuzung aus verschiedenen Tierarten ist. Woher der Woibadinga tatsächlich kommt, weiß keiner. Dass er jedoch zur Veräppelung leichtgläubiger Touristen dient, dabei sind sich die Bayern absolut sicher.

 

Boandlgrama
Knochenkrämer

Dieser Begriff, auch einfach nur Boanl oder Boandl, ist eine alte bayerische Bezeichnung für den Tod. Als Krämer wird auch der Händler bezeichnet. In Franz von Kobells Kurzgeschichte, Die Gschichd vom Brandner Kasper (1871), und dem daraus entstandenen Roman und Bühnenstück, Der Brandner Kaspar und das ewige Leben von Kurt Wilhelm (Spielzeit 1974/75 – Residenztheater München), taucht der Boanlkramer als kauzige, bisweilen sogar hilflos, liebenswerte Gestalt auf. In diesem Stück geht es darum, dass der Brandner Kasper den Boandlkramer beim Kartenspielen bescheißt und deshalb nochmal 21 Jahre länger leben darf, obwohl seine Zeit schon abgelaufen war.

 

hudln
hetzen

Es bedeutet übereiltes oder zerstreutes Handeln. Eine Person die hudelt wird auch spöttisch Hudla (Mann) und Hudlarin (Frau) genannt.

 

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